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Feb. 22, 1999.
Eine Windows Rückerstattung bekommen
Am letzten Montag, am sog. Windows Refund Day, haben mehrere Hundert Nutzer eines alternativen Betriebssystems Microsoft Vertretungen im ganzen Land angesteuert, um Rückerstattungen für nicht genutzte Kopien von Windows zu bekommen. Aber Microsoft hatte andere Pläne. Sie begrüßten die Protestierenden am Silicon Valley Hauptquartier mit geschlossenen Türen und einem zünischen 'Microsoft begrüßt die Linux
Gemeinde' Banner. Dann hat der Manager der Windows Gruppe Rob Bennett die Protestierenden zum Dach eines naheliegenden Parkhauses geführt, wo ihnen Getränke geboten wurden und sie Fragen stellen konnten. Bennet hat dann der Menge erzählt, daß die einzelnen Computerhersteller für die Rückerstattung verantwortlich sind und nicht Microsoft.
Doch Computerhersteller wie Compaq, Dell and IBM haben sich ebenfalls geweigert Rückerstattungen zu leisten, wobei sie jeden darauf hinwiesen der
sie kontaktierte, daß die Lizenzbestimmungen von Microsoft verfasst sind und auch Microsoft gehören, so daß die Verantwortung auch an sie zurückfällt. Compaq's Alan Hodel bot Rückerstattung für ganze Computer an, während ein Dell Vertreter sagte, sie würden die Kundenbeschwerden nach einer "Fall zu Fall" Richtlinie bearbeiten. Microsofts einziger Kommentar war eine Presseerklärung genannt 'Microsoft begrüßt die Linux Gemeinde an ihren lokalen Niederlassungen', in der sie die Aussage von Rob Bennett wiederholten. Dies
führte dazu, daß viele der Prostestiernden und auch mehrere Verbraucherschutzvereine sich dafür stark machten, ein Rechtsverfahren gegen Microsoft zu führen, um ihre Rückerstattungen zu bekommen.
NOTIZEN AUS DEM VERHANDLUNGSSAAL: Letzten Dienstag trat das Gericht nach einem Feiertag wieder zusammen, wobei Richter Jackson eine Weisheit zum
Besten gab: "Wenn man merkt, daß man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man so schnell wie möglich absteigen. Aber Anwälte haben da andere Strategien: Die kaufen eine größere Peitsche, wechseln den Reiter, erklären, daß ein totes Pferd besser, schneller und billiger ist, und, letztendlich, binden mehrere tote Pferde zusammen und hoffen auf eine höhere Geschwindigkeit." Das Justizdepartment spielt dann ein eigenes Video vor und zeigte damit, was wirklich geschieht, wenn man die AOL-Version des Netscape herunterlädt und installiert. Einige Differenen zu dem zuvor gezeigten Microsoftvideo waren offensichtlich, woraufhin Microsofts Vizepräsident Brad Chase zugab daß einige seiner zuvor gemachten Äußerungen "incorrect" waren.
Die Regierung zeigte dann ein Memo des ehemaligen Microsoft executive Mike Slade an Bill Gates. Das Memo fasste ein Meeting mit Intuit-Chefs zuammen, in dem erläutert wurde, wie MS versuchte den Markt für Finanzsoftware mit Intuit aufzuteilen. Brad Chase wurde in den Zeugenstand zurückbeordert, aber Richter Jackson hielt seine Ausführungen knapp nachdem festzustellen war, daß Staatsanwalt David Boies nicht recht mit dem Zeugen vorankam.
Am Mittwoch war Chase wieder im Zeugenstand und erläuterte, daß AOL deshalb den Internet Explorer dem Netscape Navigator vorzug, weil er technologisch überlegen war, und nicht weil Microsoft AOL einen Spizenplatz auf dem Witz95-Desktop einräumte, wie AOL-Chef David Colburn noch im November behauptete. Chase gab weiterhin zu Protokoll, daß AOL noch Anfang des Jahres den IE weiter nutzte, obwohl sie schon bald Netscape kaufen wollte - wohl nur um den Prozeß zu unterstützen (wir wiesen bereits im Januar darauf hin).
Als der Prozeß am Donnerstag began gab Richter Jackson bekannt daß er nun auch Freitags Gerichtstage abhalten wolle um den Prozeß zu beschleunigen. Nach dieser Bekanntgabe (man beachte wie schnell MS nun durch die Zeugen rauscht) gab der Compaq senior Vice President John Rose zu daß seine Firma keine Alternative zur Auslieferung seiner PC's mit Windows habe. Rose nahm aber von einem Memo Abstand, in dem die letzten Lizenzvereinbarungen als "rücksichtsloses Ausnutzen einer Monoplstellung" beschrieben wurde. Rose conceded dann die Strafe des DOJ (Department of Justice) als MS versuchte Compaqs Win95 Lizenz in 1996 zu kündigen, nachdem diese damals dem IE und das MSN-Logo von dem Desktop entfernten. Rose verteidigte Microsofts Aktionen als Gerechtfertigt, denn das Entfernen der Icons hätte den Vertrag mit Compaq verletzt.
David Boies sorgte für den Gegenbeiweis als er aufzeigte, daß Rose neulich zu den Microsoft Vorsitzenden geflogen war, um über seine Aussage in dem
Prozeß zu sprechen. Rose gab an daß er mit Paul Maritz über Windows NT und SQL Server gesprochen habe. Boies, nun ganz jovial, zeigte dann ein EMail von Gates, in dem er Rose für den "erheblichen Zeitaufwand" dankte, den er bereit war in dem Antitrust Verfahren
aufzubringen. Boies brachte noch mehr Gegenbeweise, als er die vertraulichen Dokumente über BeOS ansprach, die Compaq Microsoft zugänglich machte. Richter Jackson stoppte dann die Befragung nachdem Rose angab, keine weiteren Kenntnisse über die BeOS Dokumente zu haben.
Am nächsten Tag brachten die Compaq Anwälte das BeOS Thema wieder hoch. Sie gaben an, daß sie zwar mit Microsoft über den Softwarehersteller gesprochen, aber keine vertraulichen Informationen weitergegeben hatten. Zwischenzeitlich beendete Rose seine Aussage mit der Feststellung, daß MS sich zwar über die Beseitigung ihrer Icons vom Desktop beschwert habe, nicht aber über das Netscape Icon. Stattdessen habe sich aber AOL über das Netscape Icon beschwert, angeblich aufgrund einer "Fehlkommunikation"..
Anfang letzter Woche wurde zwei weitere Antitrustklagen gegen MS von Firmen eingereicht. Eine Klage wurde von Gravity, einem Hersteller von Dokumentenmanagement- Software, gegen Microsoft, Packard-Bell, Dell und Compaq eingereicht. In der Klage wird Microsoft und den drei PC-Herstellern vorgeworfen, die freie Wahl der Kunden, markgerechte
Preise und die "Vorteile von Innovationen" unterdrückt zu haben.
Ein separater Prozeß wurde von einem Kalifornier (dem, der neulich versuchte eine Rückzahlung für Windows zu bekommen) angestrengt, in dem MS vorgeworfen wird, bessere Betriebssysteme vom Verkauf abzuhalten und monopolistische Preise zu verlangen, was im Gegensatz zu den kalifornischen Antitrustgesetzen steht. Microsoft wies das von sich, aber stellte weitere Stellungnahmen zurück, da die Vetreter von Compaq, Dell, und Packard-Bell nicht zu einer Stellungnahme nicht zur Verfügung ständen. Damit erhöht sich die Anzahl größerer Klagen gegen Microsoft auf sechs, mit den Klagen des DOJ, Sun, Caldera, Bristol und Blue Mountain.
Mitte letzer Woche informierte MS seine Entwickler über eine neue C++-"Erweiterung", C++ Object Oriented Language (COOL). Während MS COOL offiziell als Brücke zwischen C++ und den COM+ Objekten darstellt, sprechen interne Quellen von einer Alternative zu Java. Diese Information wurde von verschiedenen Entwicklern des Microsoft Developers Network bestätigt (reinforced), nachdem Microsoft ihnen nicht sämtliche Java-Software zur Verfügung gestellt hatte, die ihnen beim Abonnement des MSDN versprochen wurde.
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